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Wathose und Gummistiefel im Büro

11 / 12.04.2010

Wie Norbert Paulsen, 40, Hochwasserschutzbeauftragter der HHLA, durch Flutschutzsysteme und mehrstufige Notfallpläne die HHLA vor Hochwasser sichert.

 

Herr Paulsen, wie entsteht eigentlich eine Sturmflut?

Wenn starke, auf die Küste zuwehende Winde, das Nordseewasser in die Elbe drücken, steigt der Wasserstand in Hamburg und damit die Gefahr einer Sturmflut. Die Wahrscheinlichkeit für Sturmfluten steigt ab September stark an und erreicht in den Wintermonaten ihren Höhepunkt. Daher wird in der Polderordnung eine Hochwassersaison definiert, die vom 1. September bis zum 15. April dauert.

 

War die vergangene Saison sehr turbulent?

Die vergangene Saison war ruhig. Vor allem bei strengen Wintern mit Minusgraden und Schneefällen, wie in diesem Jahr, ist eine Sturmflut eher selten. Kalte Luft kommt meistens aus Richtung Osten zu uns herüber. Eine Sturmflut droht allerdings bei starkem Westwind, der mildere Temperaturen mitbringt. Die letzte Sturmflut erreichte uns im November 2007. Damals stand das Wasser bei 5,65 Metern über Normalnull und setzte die Speicherstadt unter Wasser. Für kurzfristige Notfälle habe ich immer meine Gummistiefel und die Wathose im Büro. Hier ist die Hochwasserausrüstung besser aufgehoben, als bei mir zu Hause. Ich wohne in Harburg 44 Meter über Normalnull, da kann nichts passieren.

 

Wie reagiert die HHLA bei einer Sturmflutwarnung?

Ab 4,50 Meter über Normalnull gibt die Hamburg Port Authority (HPA) per Funk eine Sturmflutwarnung heraus. Die HHLA wird bereits ab 3,50 über Normalnull vom Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie gewarnt. Ab dann greift auch der Notfallplan der HHLA. Je nach voraussichtlichem Wasserstand wird ein mehrstufiger Notfallplan in Gang gesetzt. Einsatzleiter, Polderpiloten und Vertreter werden zu jeder Tages- und Nachtzeit per Handy, SMS und Festnetz informiert, um beispielsweise Flutschutztore zu schließen, Mitarbeiter einzuweisen und im Notfall die Anlage zu räumen.

 

Wie werden die HHLA Terminals vor einer Überflutung gesichert?

Da gibt es unterschiedliche Sicherungssysteme. Der HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) befindet sich auf einer Höhe von 7,50 Meter über Normalnull auf einer künstlich aufgeschütteten Ebene, der so genannten Warft. Im Gegensatz dazu ist der HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) durch Flutschutzwände gesichert. Diese geschützte Fläche, der so genannte Polder, bildet mit einer Fläche von 1,7 Millionen Quadratmetern das größte zusammenhängende gesicherte Areal der HHLA. Im Notfall werden alle 45 Tore und 54 unterirdische Schieber geschlossen.

 

Und was sieht Ihr Plan für die sturmflutfreie Zeit vor?

Diese Zeit nutzen wir, um die Hochwasserschutzanlagen auf die kommende Flutsaison vorzubereiten. Ein jährlicher Übungseinsatz mit allen Beteiligten und regelmäßige Wartungsgänge gehören zum Pflichtprogramm. Alle technischen Geräte der Schutzanlagen werden ein bis zweimal jährlich gewartet und wenn nötig instandgesetzt.  Zudem passen wir die Hochwasserschutzanlagen der Polder an neue Bemessungsansätze an, die aufgrund neuer Erkenntnisse über die Entwicklung von Sturmfluten in Hamburg ermittelt werden. Am CTB beginnen wir ab April mit der Aufstockung und Erneuerung der Flutschutzmauer. In vier Teilabschnitten wird unter anderem die Schutzwand an Liegeplatz 7 um einen Meter auf 8,50 Meter über Normalnull erhöht. Am Liegeplatz 3 und 4 wird sie komplett erneuert.