"Diese Kiste ändert alles!"
14 / 21.04.2010
Wie Helmuth Kern, 84, früherer Wirtschaftssenator und HHLA Vorstandsvorsitzende, den Container nach Hamburg brachte.
Es begann 1965 in New York. Zu diesem Zeitpunkt hatte Helmuth Kern bereits eine kaufmännische Ausbildung im väterlichen Betrieb hinter sich. Auch Tätigkeiten als Angestellter, Prokurist und Geschäftsführer verschiedener Papierverarbeitungsbetriebe und Fischereifirmen. Und er war, seit 1957, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft.
Als Wirtschaftspolitiker fuhr er nach New York und schaute sich als Hobby-Segler nebenbei die Häfen der Stadt an. Den alten in Manhattan, kaum mehr benutzt. Und Port Elizabeth, den neuen Containerhafen von New Jersey. »Mir war sofort klar«, erinnert sich Kern, »diese Kiste ändert alles im allgemeinen Güterverkehr.«
Eigentlich sollte er ab 1966 stellvertretender Vorsitzender der HHLA werden. Doch Herbert Weichmann, damals Erster Bürgermeister der Hansestadt, berief ihn zum Senator für Wirtschaft und Verkehr. Zu einer Zeit, als Studenten die Gesellschaft verändern wollten, sorgte Kern für eine wirkliche Revolution: Er brachte – gemeinsam mit der HHLA und anderen Hafenunternehmern – den Container nach Hamburg.
Das gefiel nicht jedem, denn man hatte den kriegszerstörten Hafen gerade wieder aufgebaut - mit vielen spitzen Kaizungen und kleinen Schuppen. Der moderne Containerverkehr benötigte dagegen Fläche statt vieler Kaimauern sowie eine innovative Anbindung an das Schienen- und Straßennetz. Kern wusste: „Es hatte keinen Sinn, die Augen vor dieser Herausforderung zu verschließen. Wir mussten die Hafenstruktur entsprechend ändern und es war auch klar, dass es ganz neue Jobs geben würde.“
Die Mühe eines zweiten Umbaus lohnte sich für den Hafen, schon bald spielte er wieder in der Weltspitze mit. »Hamburg hat Grund, Helmuth Kern dankbar zu sein«, bilanzierte Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt noch 2005.
Nach zehn Jahren als Wirtschaftssenator, in denen er zum Beispiel die Köhlbrandbrücke einweihte, kehrte Kern in die freie Wirtschaft zurück. Er aktivierte seinen ruhenden Vertrag mit der HHLA und wurde für die nächsten 15 Jahre ihr Vorstandsvorsitzender. In diese Zeit wurde die Elektronische Datenverarbeitung aufgebaut, Basis für eine ausgefeilte, automatisierte Container-Logistik. Der Fall der Mauer ermöglichte den Ausbau der Transportverbindungen ins östliche Hinterland. Währenddessen wuchs der Containerumschlag und wuchs: Wurden Mitte der Achtziger zum ersten Mal mehr als eine Million Container bewegt, waren es Anfang der 90er schon mehr als zwei Millionen.
1991, im Alter von 65 Jahren, beendete Helmuth Kern seine offizielle Tätigkeit für die HHLA.
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