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„Wir haben bis zur Abfahrt gezittert!“

2 / 10.03.2010

Wie Walter Schulze-Freyberg (56), Geschäftsführer von Polzug Intermodal, erste Containerzüge eines Nicht-Bahnunternehmens 1992 nach Osteuropa organisiert hat.

 

„Die HHLA wollte nach Osten, die polnische Staatsbahn (PKP) wollte nach Westen. Das passte einfach.“ Kurz und prägnant beschreibt Walter Schulze-Freyberg, warum ausgerechnet das 1991 frisch gegründete Unternehmen „Polzug Polen-Hamburg Transport GmbH“ den ersten privaten Containerzug nach Osteuropa schickte. Mit Polzug hat er dazu beigetragen, dass die wachsenden Gütermengen aus den Nordseehäfen klimaschonend auf der Schiene in die aufstrebenden Volkswirtschaften Osteuropas transportiert werden. Dafür wurde Schulze-Freyberg auch jüngst mit dem Logistikpreis „Goldene Umweltschiene“ ausgezeichnet.

Der heutige Polzug-Geschäftsführer analysierte Ende der 80er Jahre als Berater für die HHLA-Tochter HPC Hamburg Port Consulting die Marktlage in Osteuropa. Nach der Grenzöffnung war das polnische Straßennetz lange überlastet, Lastwagen warteten an den wenigen Grenzübergängen oft mehrere Tage. Die Idee, zuverlässige Containertransporte auf der Schiene zu organisieren, lag auf der Hand. Und der zupackende „Macher“ Schulze-Freyberg bekam die Chance, sie mit der „Polzug Polen-Hamburg-Transport GmbH“ in die Realität umzusetzen. Er hatte als „Kapitän auf großer Fahrt“ und als Logistikmanager für große Industrieanlagen buchstäblich schon die ganze Welt gesehen.

„Ganz wichtig war für uns die polnische Staatsbahn PKP“, erzählt Schulze-Freyberg. Mit dem Speditionsunternehmer Egon Wenk hatten er und die HHLA außerdem einen zuverlässigen Mitgesellschafter an seiner Seite, der über die nötige Kompetenz im polnischen Markt verfügte. Den finalen Schub lieferte im September 1991 die EU-Direktive 440, die den „freien Zugang zum Schienennetz“ festschrieb. Schon kurz darauf ließ das Joint-Venture der HHLA mit der PKP als erstes Nicht-Bahnunternehmen Züge auf staatlichen Schienen rollen.

Walter Schulze-Freyberg musste allerdings bis zur letzten Minute bangen: Würde er am 29. Januar 1992 pünktlich die grüne Kelle heben können, um den ersten Containerblockzug in Richtung Polen zu schicken? Die Deutsche Bahn, die sich später am Unternehmen Polzug beteiligte, begrüßte den neuen Wettbewerb nicht gerade freundlich. Sie ließ die umgebauten Stahlflachwagen der PKP zwar über die Grenze nach Hamburg, stufte sie dann aber als nicht fahrtüchtig ein. Erst einige Telefonate auf höchster Ebene und eine „Reparatur“ der Waggons in den Werkstätten der DB räumten die letzten Bedenken aus. Der Zug nach Osten setzte sich unaufhaltsam in Bewegung.