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Feilschen um jede Tonne Fisch

22 / 17.05.2010

Wie Oliver Schulz, 36, HHLA Auktionator am Fischmarkt in Hamburg, Tonnen frischen Fisch verkauft.

 

Seine Arbeit beginnt nachts um 4 Uhr. Klingelt sein Wecker, geht der erste Blick von Oliver Schulz aufs Handy – die ersten Bestellungen seiner täglich rund 40 Kunden sind eingegangen. Aus Scheeßel in Niedersachsen fährt der Fisch-Auktionator im Auto zum Hamburger Fischmarkt.

 

Der Wochenbeginn ist für Schulz Großkampftag: 100 Tonnen Frischfisch bekommt das HHLA Tochterunternehmen Fischmarkt Hamburg-Altona GmbH (FMH) pro Monat geliefert. Seelachs, Kabeljau, Rotbarsch, Lachs, Seeteufel –  60 Prozent der wöchentlichen Gesamtmenge kommen am Montag, so wie heute. In der Markthalle prüft Oliver Schulz die Ware und nimmt die Bestellungen seiner Kunden für die nächsten Tage auf. Über Festnetz, Handy, Fax und E-Mail ist er mit Lieferanten und Kunden verbunden. Über 200 Telefonate führt er jeden Tag.

 

„Der Fischmarkt funktioniert wie die Wertpapierbörse – die Preise hängen von den Fangmengen ab“, sagt der Fischfachmann. Niemand kann heute sagen, wie viel Tonnen Fisch genau am nächsten Tag gefangen werden und wie viel er seinen Kunden anbieten kann. Wie überall neigen die Kunden dazu, die gelieferte Ware schlechter zu reden als sie ist. Das gehöre zum Ritual zwischen ihnen und ihm, sagt der Händler. „Sie versuchen die Preise zu drücken. Ich versuche sie zu halten. Eine Einigung aber finden wir immer.“

 

Am Abend, nachdem der Familienvater in Scheeßel noch mit seinen beiden Töchtern getobt hat, fällt er gegen 22 Uhr ins Bett. Der nächste Arbeitstag wartet. Am Samstag aber, dem einzigen Tag, an dem Schulz nicht arbeitet, widmet er sich besonders der Familie. Natürlich gibt es dann meistens zum Mittagessen Fisch. „Am liebsten Seeteufel oder Jakobsmuschel“, sagt er. Er kocht nicht selber, seine Frau übernimmt das. „Denn dort bin ich nur der Fischlieferant“.