Software für Menschen
25 / 27.05.2010
Wie Florian Riechers, 34, EDV-Entwickler bei der HHLA, Container ins Rollen bringt.
Wer auf dem Weg zu Florian Riechers Büro in der HHLA-Zentrale ist, begibt sich auf eine Art Zeitreise. Sein Büro befindet sich nicht in einem Stockwerk, sondern auf einem »Boden«. Der Blick durchs Fenster geht auf ein Fleet, davor eine Schiebetür aus der Ära, als hier noch die Waren aus den Schuten gehievt wurden. Doch Riechers Job ist nicht das Gestern, sondern das Morgen.
Als er nach seinem Studium der Softwaretechnik zur HHLA stieß, begann er gleich am gerade eröffneten CTA in Altenwerder, dem weltweit modernsten Container Terminal. Der 34jährige Diplom-Informatiker war dort mit für die Steuersoftware der Großgeräte und deren Kommunikation zuständig. Sie sorgt dafür, dass die Container nach dem Löschen vollautomatisch auf führerlose Fahrzeuge (AGVs) umgeschlagen werden. Mittels eines im Boden befindlichen Transpondernetzwerkes finden diese Fahrzeuge ihren Bestimmungsort. Dort lädt sie ein Portalkran auf einen der Lagerblöcke – insgesamt 16 000 Container werden so bis zu ihrer Abholung zwischengelagert.
»Anders als bei einer Bank«, erläutert der 34jährige Diplom-Informatiker, »arbeite ich nicht mit anonymen Zahlen, sondern mit Geräten, denen man beim Arbeiten sozusagen zuschauen kann.« Deshalb fährt Riechers auch auf Containerbrücken mit, bevor er das Steuerdisplay für deren Fahrer entwirft. Oder er prüft vor Ort, ob die Fehlertoleranz eines AGVs tatsächlich nur die vorgeschriebenen drei Millimeter beträgt. Oder er entwickelt Sicherheitsprogramme für Ladung, deren Maße den üblichen Rahmen der Containerfracht überschreitet – Rotorblätter für Windräder etwa oder Schiffsschrauben.
»Gut ein Drittels des Jobs besteht aus Analyse, der andere Teil aus Programmieren«, sagt Riechers. Zahlreiche Programme, die auf den Terminals eingesetzt werden, sind dabei Eigenentwicklungen von Riechers und seinen Kollegen. Das besitzt durchaus Tradition: Manche Programme zur Stauplanung von Containern wären ohne HHLA-Kreationen nie oder später entstanden. Derzeit arbeitet Riechers an einem Programm, das es möglich machen soll, Container schon bei der LKW-Anlieferung automatisch zu erfassen.
Trotz der zwei Monitore auf seinem Schreibtisch wirkt der Mann nicht wie ein Computer-Freak. »Es gibt, grob gesagt, zwei Sorten von IT-Arbeitern«, sagt er und lacht. »Die einen fahren ihren Rechner schon vor dem Morgenkaffee hoch, die anderen haben noch Kontakt mit Menschen. Die Kollegen bei der HHLA gehören eher zur zweiten Kategorie.« Riechers in jedem Fall: Er ist kein Mitglied bei Facebook. Er besitzt kein iPhone. Er spielt nicht einmal PC-Spiele, dafür aber lieber mit seinen beiden kleinen Kindern.
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