Nasse Umfuhr
27 / 02.06.2010
Wie Tino Klemp, 48, bei der Unikai Lagerei- und Speditionsgesellschaft den Containertransport mit dem Binnenschiff organisiert.
„Nein, nicht Hansaport, Hansa-h-a-f-e-n!“ Tino Klemp artikuliert besonders deutlich, denn er hat einen polnischen Binnenschiffer am Handy, der weder ausreichend deutsch noch englisch spricht. Ihn kann nichts erschüttern, auch nicht der nächste Anruf von Unikai’s größtem Kunden und Miteigentümer Grimaldi. Die italienische Reederei kündigt an, die „Grande Benin“ werde Montag nicht kommen, die „Grande Ghana“ müsse die Ladung mitnehmen.
Das erfordert einige Abstimmung, aber bis Montag bleibt noch genug Zeit. Der gelernte und für zwei Reedereien gefahrene Nautiker Klemp ist bei der HHLA-Tochtergesellschaft Unikai verantwortlich „für alles, was mit der Kaikante zu tun hat.“ Er ergänzt: „Zur Not kann ich auch das ganze Schiff machen.“ Übersetzt aus dem Hafendeutsch bedeutet das, er kann die benötigten Arbeitskräfte kalkulieren, die Anlieferung und Abholung von Containern koordinieren, das Packen und Laschen organisieren …
Eine wichtige und immer ein wenig brenzlige Angelegenheit ist die Planung der Liegeplätze für die großen RoRo- und RoCon-Schiffe am O’Swaldkai. Manches Schiff verspätet sich und liegt länger als geplant, während das nächste schon auf der Elbe wartet und einen Notliegeplatz suchen muss. Zum Glück sind die angrenzenden Liegeplätze für die Kühlschiffe der HHLA Frucht nicht immer besetzt, so dass Klemp dort manchmal Arbeiten mit der Containerbrücke erledigen kann.
„Zwischen die „Höegh Brasilia“ und die „Grande Ghana“ passt genau ein Binnenschiff“, erläutert Klemp seine aktuelle Planung. Es sind eine ganze Menge Binnenschiffe, die am O’Swaldkai festmachen, denn sie erledigen die „nasse Umfuhr“ im Hafengebiet. Ganz präzise sind es Schubverbände mit unterschiedlich großen „Leichtern“, einer Art Anhänger, die das Schubschiff jedoch vor sich her schiebt.
Mehr als 100 Boxen, genauer: bis zu 210 TEU (Standardcontainer) werden so mit einer Fahrt vom O’Swaldkai zu anderen Terminals bewegt. Ein Lkw braucht für eine Box hin und zurück – ohne Stau im Hafengebiet – etwa eine Stunde. Der Schubverband ist ökologisch sinnvoller, da Binnenschiffe pro transportierte Box am wenigsten Treibstoff verbrauchen und keine Staus produzieren. Deshalb hängt im Büro von Unikai auch eine Urkunde, die von Anja Hajduk, der Umweltsenatorin, unterzeichnet wurde. Die Firma ist damit Mitglied der Umweltpartnerschaft Hamburg geworden.
Für Tino Klemp ist das Umfuhr-Konzept vor allem eins: „Viel besser planbar, als mit Hundert einzelnen LKWs.“ Im Idealfall läuft der Prozess so: Am Montag kommen leere Boxen auf dem Wasser aus Altenwerder und können gleich an der Kaikante stehen bleiben. Jeweils zwei Neuwagen werden in die Container gefahren und entsprechend den Vorgaben der Hersteller festgezurrt, manchmal werden auch Papierballen verstaut. Wenn es gut läuft, landen die Container schon am Dienstag auf dem nächsten Binnenschiff. Der Kapitän bekommt gleich die Zollpapiere mit und bringt die Ladung im Umlauf zu den Containerterminals, von wo aus sie zu fast jedem Hafen der Welt verschifft werden können. Wenn Prozesse so clever getaktet sind, freut sich Klemp, denn genau das ist eigentlich sein Job.
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