Der Allround-Gestalter
31 / 16.06.2010
Wie Manfred Stempels, 66, ehemaliger Grafiker der HHLA, das Logo des Konzerns neu gestaltet hat.
Manfred Stempels würde am liebsten alles auf den letzten Tag schieben. Schon vor sieben Jahren verließ er seinen Schreibtisch als Grafiker in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der HHLA. Damals ging er in den Vorruhestand, doch er mochte die Speicherstadt noch nicht verlassen. Er mietete ein Büro „Auf dem Sande“ und wollte sich seinen künstlerischen Projekten widmen. Kaleidoskopische Porträts, großformatige Fotos, Collagen und blinkende Grabmale stehen überall im Büro verteilt. Sie müssen jetzt zusammengeräumt werden, denn für den 17. Juni hat Stempels seinen finalen Abschied geplant. Ob der Abschied wirklich endgültig ist, bleibt abzuwarten. Manfred Stempels fliegen immer wieder Aufträge und Ideen zu. Zu seiner Kunst ist er wenig gekommen, stattdessen konzipierte er Kalender, Bücher und Ausstellungen oder gestaltete die Lichthöfe in Block P.
Schon bei der HHLA war er der Alleskönner vom Dienst. Der gebürtige Holländer zog mit 16 Jahren nach Deutschland und studierte an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung. Als umfassend ausgebildeter Grafiker kam er 1969 zur HHLA, wo ihn gleich ein Auftrag erwartete, der bleibende Wirkung bei der HHLA hinterließ. Es musste ein neues Logo entworfen werden. Als Vorbild diente der Schriftzug des CCH, eines ebenfalls städtischen Unternehmens. „Da schiebt man natürlich nicht einfach vier Buchstaben zusammen“, erklärt Stempels anhand einer Logo-Vorlage auf seinem Schreibtisch. „Ich musste zum Beispiel alle senkrechten Linien stärken und hier, beim A, musste die Strichstärke auch angepasst werden. Sonst nimmt das Auge die Outline des Schriftzuges als ungleichmäßig wahr.“
Damals gab es noch keinen PC zur Unterstützung, alles musste mit der Hand gezeichnet werden. Der Rapidograph war das Werkzeug des Grafikers, ein Set von Stiften mit genormter Strichstärke, dazu kam „plaka weiß“, mit dem Fehler übermalt wurden. So zeichnete Stempels Pläne der Terminals, Werbemotive und besondere Schriften. Zusammen mit den Fotos und Schriftsätzen wurde alles sauber auf Seiten geklebt und zum Abfotografieren gebracht. Die speziellen Repro-Fotos dienten dann als Grundlage für die Druckerei. Broschüren, Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften, Anzeigen – alles entstand mit dieser aufwändigen Methode, bis 1997 der erste Mac G3 zum Einsatz kam.
Das neue Logo wurde immer wieder überarbeitet, der Stempels-Schriftzug findet sich aber auch im aktuellen Logo. Zum ersten Mal mussten die schlanken Umrisse „fetter“ werden, als der Vorstandsvorsitzende Helmuth Kern das Logo überall an den Anlagen der HHLA sehen wollte. Das größte, 12 Meter breite Schild wurde auf dem Container Terminal Burchardkai (CTB) hinter Liegeplatz 7 platziert. Noch prominenter war allerdings der frei schwebend wirkende Schriftzug am Kaispeicher A. Der Allrounder Stempels musste extra ein Modell anfertigen, um die Dimensionen zu visualisieren. Trotzdem rief Kern kurz nach Fertigstellung empört bei Stempels an: „Das Ding ist doch viel zu klein!“
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