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Kürzere Liegezeiten, schwerere Lasten

32 / 21.06.2010

Bassam El-Nemr, 49 Jahre, Projektkoordinator am HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) über die größten und stärksten Containerbrücken Deutschlands.

 

Herr El-Nemr, was ist das Besondere an den neuen Tandem-Containerbrücken auf dem CTB?

Besonders beeindruckend sind die Ausmaße der Brücken. Sie gehören mit 83 Metern Höhe nicht nur zu den größten Containerbrücken in Deutschland, sie können im Tandembetrieb auch am stärksten heben: bis zu 125 Tonnen mit nur einer Bewegung. Das ist wirklich ein Rekord! In Europa gibt es diese Brücken nur an zwei Orten, im Antwerpener Hafen und in Hamburg. Als studierter Anlagen- und Betriebstechniker bin ich natürlich begeistert, ein Projekt solcher Größenordnung koordinieren zu können. Ich bin mit 21 Jahren zum Studieren aus dem Libanon nach Hamburg gekommen und schaue jetzt jeden Tag aus meinem Bürofenster auf die modernsten Containerbrücken Deutschlands. Für mich ist das die schönste Motivation.

 

Was bedeutet eigentlich Tandembetrieb?

Der Begriff Tandembetrieb steht für die zwei Greifer mit denen die Containerbrücke gleichzeitig zwei 40-Fuß- oder vier 20-Fuß- Boxen bewegen kann. Bisher arbeiteten alle Containerbrücken mit nur einem Greifer, dem sogenannten Spreader. Für die Effektivität des CTB ist das neue System ein enormer Vorteil. Besonders bei den großen Seeschiffen können jetzt mit einer Bewegung gleich mehrere Container be- oder entladen werden. Oder umgekehrt: Das Schiff kann noch schneller wieder in See stechen und zum nächsten Hafen aufbrechen.

 

Wann wird die Inbetriebnahme abgeschlossen sein?

Die Großgeräte werden nacheinander und erst nach ausführlichen Testläufen in Betrieb genommen. Von den fünf neuen Tandembrücken haben bereits drei alle Tests erfolgreich bestanden und arbeiten im laufenden Umschlagbetrieb mit. Durch die gestaffelte Inbetriebnahme nutzt der CTB Lerneffekte aus der Anfangszeit optimal aus. Die Inbetriebnahme der letzten Geräte dauert nicht mehr so lange wie die erste, weil die „Kinderkrankheiten“ der Tandembrücken schon bekannt sind. Insgesamt wird die Inbetriebnahme im zweiten Quartal 2010 beendet sein. 

 

Wird der Aufbau der Tandembrücken durch weitere Baumaßnahmen begleitet?

Der Liegeplatz 2, auf dem die Tandembrücken aufgebaut werden, ist natürlich nicht die einzige Baustelle auf dem Burchardkai. Parallel hierzu nehmen meine Kollegen nach und nach auch die neuen automatischen Lagerblöcke in Betrieb.

 

Sie arbeiten in einem internationalen Team. Wie gut klappt die Zusammenarbeit mit den Kollegen? 

Da die Tandembrücken in China bei der Firma ZPMC gebaut wurden, bauen die chinesischen Kollegen die Großgeräte auch vor Ort auf. Dabei klappt die Zusammenarbeit sehr gut. Kulturelle Barrieren spüren wir kaum. Im Gegenteil: Unser Team hat immer viele Ideen und Ansatzpunkte, wenn ein Problem gelöst werden muss. Und diskutiert wird auf Englisch.

 

Können Sie auch schon chinesisch sprechen?

(lacht) Ja, ich versuche es manchmal, aber ich bin noch nicht sehr weit gekommen. Lustig ist, dass sich unser Firmenname HHLA, gesprochen wie ein „Hala“, sehr ähnlich wie das chinesische Wort „Halla“ klingt, was soviel wie „gut“ bedeutet. Das passt doch.