Bays und Baplie-Files
35 / 30.06.2010
Mario Drägert, 42, Schiffsplaner beim HHLA Container Terminal Altenwerder über die Parameter beim Beladen eines Schiffes.
Herr Draegert, was genau macht ein Schiffsplaner?
Ein Schiffsplaner am CTA (HHLA Container Terminal Altenwerder) ist für die gesamte Abfertigungsplanung von Feedern und Großcontainerschiffen zuständig. Zu seinen Tätigkeiten gehören unter anderem die Containerstauplanung und die Einsatzplanung von Containerbrücken.
Welche Informationen benötigen sie, um ein Schiff planen zu können?
Ich benötige ein exaktes Modell der Struktur des Schiffes mit seinen Laderäumen, den sogenannten Bays, in meinem Stauplanungsprogramm. Per Datentransfer erhalte ich vom Vorhafen den aktuellen Beladungszustand als BAPLIE-File gesendet – das ist ein elektronischer Stauplan. Eine Software liest die Daten in mein virtuelles Modell ein – so weiß ich, wo welcher Container an Bord steht.
Das klingt simpel. Was aber ist genau ihr Beitrag beim Laden?
Eine meiner zentralen Aufgaben ist die Stauplanung der Exportcontainer. Dazu erhalte ich vom Zentralplaner der Reederei eine Stauanweisung. Er gibt mir die einzelnen Bereiche, also die Bays vor, in denen die Container, aufgeteilt nach einzelnen Löschhäfen, zu verladen sind. Zudem gibt es eine gesonderte Stauanweisung für Gefahrgut- und Kühlcontainer, sowie für Container mit Übermaßen. Am CTA werden die Container in den einzelnen Lagerblöcken bis zu fünf Lagen übereinander gestapelt. Als Schiffsplaner muss ich neben der schiffsoptimalen Planung auch darauf achten, dass beim Beladen des Schiffes möglichst wenige Container im Lager umgestapelt werden müssen. Je höher ein Terminal stapeln kann, desto wichtiger ist diese so genannte lageroptimierte Stauplanung.
Kennen Sie die Inhalte der Container?
Nein, außer bei Gefahrgut. Nur Länge, Containertyp und Gewicht sind staurelevante Eigenschaften des Containers. Man plant zuerst die „komplizierten“ Container, den Rest dann drum herum. Gefahrgutcontainer müssen immer an die vorgeschriebenen Stellplätze. Weiterhin gibt es bestimmte Container die unter Deck verladen werden müssen, manche dürfen nur an Deck, wieder andere müssen an den Rand. Bei der Beladungsplanung sind auch Biege- und Torsionsmomente sowie Scherkräfte zu berücksichtigen. Die Stabilität des Schiffes muss gewährleistet sein. Erst wenn der Kapitän den Stauplan „abgesegnet“ hat, kann die Beladung beginnen.
Sie haben die Inbetriebnahme des CTA begleitet. Was hat sie qualifiziert, am Aufbau des Terminals mitzuarbeiten?
Ich bin Nautiker. Vor Beginn der Inbetriebnahme haben wir mit einem kleinen Team von Ingenieuren in Büroräumen am Sandtortorkai an Simulatoren die neue Terminalsoftware getestet. Später sind wir in die neuen Büroräume nach Altenwerder gezogen. Derzeit sind wir hier 17 Schiffsplaner, die meisten von ihnen haben ein Kapitänspatent – das war bis vor wenigen Jahren Voraussetzung, um bei der HHLA als Schiffsplaner arbeiten zu können.
Und wie wird man ein Schiffsplaner?
Voraussetzung ist mindestens ein Fachhochschulabschluss – wir präferieren Nautiker und Ingenieure aus seefahrts- bzw. hafenbezogenen Studienrichtungen. Wir bilden unsere Leute selbst aus. Die Ausbildungszeit für einen Schiffsplaner am CTA dauert im Schnitt ein halbes Jahr. Jeder angehende Planer bekommt einen Tutor an die Hand, der ihn während seiner Ausbildung begleitet.
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