Kunden ganz nach vorne
36 / 05.07.2010
Marcus Bönning, 40, Geschäftsführer CTD, über Transportketten und deren wichtiges Ende.
Es gibt viele Männer, die als Schüler mit dem Fahrrad Zeitungen ausgetragen haben. Für die meisten war es ein Ferienjob, um ihr Taschengeld aufzubessern. Für Marcus Bönning war es mehr, „der Einstieg in die Transportbranche“.
Eine Branche, die ihn sichtlich fasziniert. Wenn der heute 40jährige auf das Fenster seines Büros im Schuppen 74 des Hamburger Hafens zeigt, dann deshalb, weil sich dahinter fast alle Transportmöglichkeiten dieser Welt sehen lassen. Eine Kaikante. Eisenbahnschienen. Straßen. Und täglich landen sogar Flugzeuge, bei Airbus, ein Stück elbabwärts.
Als Geschäftsführer der HHLA-Tochter CTD (Container-Transport-Dienst GmbH) konzentriert sich Bönning allerdings seit Oktober 2004 auf Trucks. Mit Erfolg: Das Unternehmen ist trotz harter Konkurrenz seit langem Marktführer im Bereich der Hafenumfuhren. Zwischen 500 und 600 Container werden täglich innerhalb des Hamburger Hafens transportiert, weitere 200 sind es europaweit.
Der CTD wurde 1974 gegründet, als der Siegeszug des Containers nicht nur den Warenverkehr en gros revolutionierte, sondern auch en detail. Anfangs wurden die Stahlkisten gleich nach dem Entladen aus- oder umgepackt, doch die Hafenumfuhr, also der direkte Weitertransport zwischen den Containerterminals, zu Spediteuren, Bahnoperateuren oder Handelsunternehmen erwies sich schnell als effizienter. „Bis 2008 hatten wir eigentlich nur ein Problem, ein Luxusproblem«, erinnert sich Bönning, »nämlich das der beständig steigenden Mengen.“
Inzwischen hat Bönning den CTD sicher durch die Weltwirtschaftskrise gesteuert. Ihm ist zu verdanken, dass der Container-Transport durch automatisierte Prozesse zunehmend industrialisiert wurde. Jetzt hingegen setzt er, der lange selbst LKW-Fahrer und nach dem Logistik-Studium u. a. in Hong Kong und Jakarta tätig war, wieder auf Wachstum. Eine Strategie, die künftige Anforderungen des Marktes vorausschauend im Blick hat. Denn CTD nähert sich bereits wieder den Zahlen von 2008, erste Kapazitätsengpässe werden sichtbar.
Deshalb wurden weitere Standorte aufgebaut, nach Bremen und Berlin kam 2009 Kornwestheim in der Region Stuttgart hinzu. Deshalb ist auch ein Joint Venture mit der Bremer EKB Container Logistik GmbH & Co. KG geplant, um gemeinsam den Warenfluss auch im Hinterland des Hamburger Hafens zu optimieren. „Unsere Kernkompetenz ist das Managen von Transportketten, der Kunde an deren Ende steht bei uns ganz vorn“, so Bönning. „Und durch den verstärkten Anschluss des Hinterlandes sind wir unserem Anspruch, Systemanbieter zu werden, also alles aus einem Guss anbieten zu können, ein gutes Stück näher gekommen.“
Auch privat trägt der Vater zweier junger Mädchen seinen kleinen Teil dazu bei, dass der CTD floriert. Wenn Marcus Bönning mal Wein genießt, dann ausschließlich von Reben, die in Kalifornien oder Südafrika geerntet wurden. „Die schmecken nicht nur hervorragend, da kann ich auch sicher sein, dass sie per Container aus Übersee gekommen sind.“
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