Als der Hafen neu entstand
37 / 07.07.2010
Walter Sohst, 88, erlebte den Wiederaufbau nach dem Krieg als Mitarbeiter der HHLA.
Das verbrecherische Werk der Nazis hatte Walter Sohst als Zeitzeuge kennenlernen müssen: 1938 war er mit 16 Jahren in die Hamburger Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft (HFLG) eingetreten, wie die HHLA damals hieß. Der damalige Einfluss der NS-Herrschaft auf das Unternehmen war erheblich. 1939 begann der Krieg, so dass Sohst nach seiner Lehre nur noch kurze Zeit als kaufmännischer Angestellter arbeitete, bevor ihn 1941 der Reichsarbeitsdienst einzog.
Auch für Hamburg waren die Folgen des Krieges katastrophal. Dass der Hafen von alliierten Bombern zu 90 Prozent zerstört worden war, dass Schuppen und Kräne in Trümmern und rund 3000 versenkte Wracks in der Elbe lagen – all das sah Sohst erst nach seiner Rückkehr zur HHLA aus der Kriegsgefangenschaft im Jahr 1948 mit eigenen Augen.
Aber schon 1953 waren 57 Prozent der Kräne und 58 Prozent der Kaischuppen rekonstruiert. Die halb zerbombte Speicherstadt wurde von der HHLA bis Mitte der sechziger Jahre weitgehend wiederhergestellt. Der damalige Vorstandsvorsitzende Ernst Plate warb in aller Welt für den Hafen und knüpfte erloschene internationale Beziehungen neu. Auch „vor Ort“ war Plate in vielfältigen Zusammenhängen und Auseinandersetzungen für „seinen Hafen Hamburg“ im Dauereinsatz unterwegs. Sohst erlebte das intensiv mit. Ihm genügte der Wiederaubau nach Vorkriegs-Muster nicht: Parallel zur Wiederherstellung zerstörter Hafenanlagen galt es gleichrangig, schrittweise eine tragfähige, zukunftsorientierte Unternehmens-Organisation aufzubauen – vor allem in personeller und finanzieller Hinsicht.
Die HHLA schickte Sohst zum Studium auf die Akademie für Wirtschaft und Politik. Danach setzte er sich für den Aufbau eines zeitgemäßen Rechnungswesens ein und übernahm die Ausbildung des Unternehmensnachwuchses. Aus der Position des Finanzprokuristen berief der Aufsichtsrat ihn 1965 in den Vorstand. Sohst leitete die Bereiche Unternehmensplanung, Organisation, Mitarbeiterschaft (später auch in der Position des Arbeitsdirektors) und Finanzierung.
In den sechziger Jahren war die HHLA bereit und in der Lage, den vielleicht bedeutsamsten imd vielschichtigsten Umbruch in der überseeischen Transportwirtschaft zu bewältigen: den Container-Verkehr. Walter Sohst blieb bis zu seinem Ausscheiden aus dem Betriebsleben 1984 im HHLA-Vorstand. Stolze 46 Jahre nach seinem ersten Arbeitstag.
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