Richtige Detektivarbeit
38 / 12.07.2010
Gerd Pütz, 60, Mitarbeiter der HHLA Poststelle, über routinierte Pfade und ungewöhnliche Sondersendungen.
Herr Pütz, wieviel Post bekommt die HHLA im Monat?
Das ist schwer zu sagen. Pro Tag kommen etwa 40 Kilogramm bei uns an. Montags ist es etwas mehr. Ich schätze, wir verteilen rund 840 kg Eingangspost pro Monat. Dazu kommt aber auch noch die Ausgangspost. Wir merken den Jahresverlauf mit allen Urlaubszeiten und Feiertagen stark am Postvolumen.
Wird es eigentlich schnell langweilig, die Post zu verteilen?
Nein, auf gar keinen Fall! Ich sehe die Poststelle der HHLA nicht als Postamt, sondern eher als Briefzentrum. Unser Tagesgeschäft, die Post von und zu allen Mitarbeitern zu bringen, wird auch von vielen Sonderfällen begleitet, wie zum Beispiel größere Anlieferungen und Lagerung von Druckmedien. Eine besondere Fleißarbeit ist die Recherche der korrekten Empfänger, wenn auf dem Umschlag mal wieder nur „HHLA“ steht oder ein Kollege intern die Stelle gewechselt hat. Das ist richtige Detektivarbeit.
Nach welchen Kriterien sortieren Sie die Post?
Haben Sie viel Zeit? Scherz beiseite: Die Eingangspost wird zunächst den Konzerntöchtern und dann den einzelnen Kollegen zugeordnet. Hier entscheidet sich dann, welcher Postbote die Briefe und Päckchen weitertransportiert. Vier mal pro Tag wird die nach und nach ankommende Post ausgetragen. Also muss auch ständig sortiert werden. Sendungen, die die HHLA verlassen, werden nach Zielnation und Gewicht sortiert. Wir frankieren die Briefe und sorgen dafür, dass alles pünktlich versendet wird.
Welche Besonderheiten bringt eine 100jährige Konzernzentrale in der Speicherstadt mit sich?
Das Rathaus der Speicherstadt, wie die HHLA Unternehmenszentrale auch genannt wird, ist ein wunderbarer alter Speicher mit großem Uhrenturm auf dem Dach. Wenn wir in unserem Büro sitzen und an den historischen Eichenbalken vorbei auf den Wandrahmsfleet schauen, ist das natürlich einmalig schön. Ich habe mein Leben lang in Hamburg gewohnt und fühle mich hier im historischen Quartier Speicherstadt wohl. Auf der anderen Seite ist dieses Gebäude nicht rollstuhlgerecht und eine reibungslose Lkw-Anlieferung funktioniert für die Poststelle nicht. Lieferanten mit palettierter Ware, wie beispielsweise Druckereien, müssen jede Palette abladen und jeden Karton einzeln mit der Sackkarre ins Gebäude bringen. Bei 2.000 HHLA Kalendern ist das ein enormer Aufwand. Da versuchen wir oft auch mit ungewöhnlicher Hilfe, den Lieferanten die Arbeit zu erleichtern.
Welche Hilfsmaßnahmen sind das?
Es gibt in der Nähe des Haupteinganges leider keine Anlieferzone. Damit die Ware trotzdem ortsnah abgeladen werden kann, helfen wir uns selbst. Wenn die Verkehrssituation es erlaubt, sperren wir für kurze Zeit einfach einen Straßenbereich ab. So ersparen wir für den Lieferanten unnötig lange Wege, wenn sie mit den Sackkarren die Einzelkartons anliefern.
Haben Sie eigentlich ein Motto im Job?
(lacht) Ja, und zwar „Es ist leichter, die Treppe herunterzufallen, als hinauf.“ Dieser Satz erklärt ziemlich genau, warum die Kollegen und ich die Post im Gebäude immer von den oberen Etagen beginnend nach unten austeilen.
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