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Unterwegs mit der alten Lady

46 / 09.08.2010

Warum Frank Wagner, 60, Schiffsführer des HHLA Schwimmkrans IV, den besten Job im Hafen hat.

 

Noch ist von dem 90 Tonnen schweren Caterpillar-Motor für die Schiffswerft in Singapur wenig zu sehen. Er soll gleich auf ein Containerschiff verladen werden, ruht aber von einer grauen Plane bedeckt im Laderaum eines Feederschiffes. „Iss’n büschen unspektakulär heute“, bedauert Schiffsführer Frank Wagner, der auf der Brücke des HHLA Schwimmkrans IV steht. „So eine alte Lady braucht manchmal ihre Zeit, um warm zu werden“, kommentiert er die Verzögerung und klopft auf das Geländer des 1956 gebauten grauen Stahlungetüms. „Aber wir müssen uns keine Sorgen machen, oder, Matthias?“

Der angesprochene Elektriker, der immer mitfährt und fast alle Reparaturen selbst erledigt, schüttelt den Kopf. Den kleinen Schaden am Schaltrelais hat er schon behoben, und der 57 Meter hohe Ausleger des Krans schwenkt herum. Zwei HHLA Mitarbeiter klettern mit einer Leiter in die Ladeluke, um eine Traverse mit riesigen Schäkeln anzuschlagen. Jetzt geht alles überraschend schnell, schon steht das Schwergut an Deck des Schwimmkrans. 90 Tonnen sind für den Giganten mit 200 Tonnen Hubkraft und 330 Tonnen Tragfähigkeit eine Kleinigkeit.

Frank Wagner hat ein paar Befehle über die Funke gegeben und bedient jetzt mit zwei Steuerrädern gleichzeitig die beiden Steuerruder, die für millimetergenaues „Einparken“ sorgen. Ohne wahrnehmbare Bewegungen, fast wie auf Schienen fährt der Schwimmkran die Kaikante in Altenwerder entlang. Er hält ungefähr in der Mitte der über 320 Meter langen „OOCL Long Beach“. Als der Riesenmotor hier im steil aufragenden Schiffsbauch verschwindet, scheinen seine Ausmaße wundersam geschrumpft zu sein.

Die entspannte Kommunikation über Funk zwischen Brücke und dem Rest der Crew zeigt, dass Verladungen wie diese – Motoren, Schiffsschrauben oder Industrieanlagen – für HHLA IV Routine sind. Manchmal fallen die Kolli aber so schwer aus, dass der ältere, höher aufragende Schwimmkran HHLA III dazu kommen muss. Mit vereinter Kraft können dann zum Beispiel auch Luxusjachten mit bis zu 300 Tonnen Gewicht umgehoben werden.

Solche Aktionen hat Frank Wagner früher, als der Lehrling einer Stauerei noch Säcke schleppen musste, immer aus der Ferne bewundert. Er wechselte in die Hochseefahrt, fuhr auf Schleppern und Schubverbänden im Hamburger Hafen, arbeitete ab 1988 für den GHB. Dort kam seine große Chance: 1991 wurden Schiffsführer für den Schwimmkran gesucht. Als Aushilfe stellte er das fürs Navigieren nötige Fingerspitzengefühl unter Beweis und wurde gemeinsam mit seinem heutigen Chef, Hans Schulz, von der HHLA übernommen. „Das ist der beste Arbeitsplatz im ganzen Hafen!“ urteilt Wagner heute in der Rückschau. Zum Jahresende will er in den Vorruhestand und hofft, dass auf diese Weise ein Azubi übernommen werden kann. Der ist gut ausgebildet und schon genau so scharf auf den Job, wie damals Lehrling Wagner, als er den stolzen HHLA Schwimmkran vorbeifahren sah.