„Ein Computer kann nichts als rechnen“
48 / 26.06.2011
Karsten Pohl, 37, Schiffsplaner am HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) und Software-Spezialist, über die Ersetzbarkeit des Menschen bei der Stauplanung.
Herr Pohl, auf ihrem PC läuft gerade eine Test-Software von NAVIS, mit der die Schiffsplanung automatisiert werden soll. Haben sie Angst um ihren Job?
Nein, überhaupt nicht. Keine Software wird jemals auf Knopfdruck eine komplette Stauplanung für ein größeres Schiff ausspucken. Allein die Rechenleistung, um alle Möglichkeiten zur Platzierung von 3.000 Boxen in mehreren Schritten durchzuprüfen, ginge gegen unendlich. Da rechnen sich die besten Computer tot.
Aber die Leistung der Computer vervielfacht sich ständig.
Dadurch werden sie aber nicht intelligent. Ein Computer kann nichts alles rechnen. Er verfügt nicht über Erfahrung, um Situationen im Überblick zu bewerten, und er kann auch nicht auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren. Solche „weichen“ Kriterien sind ihm völlig wesensfremd. Wir Schiffsplaner müssen auch der neuen Software sagen, was und nach welchen Vorgaben sie optimieren soll.
Wie machen sie das?
Wir müssen uns als erstes Gedanken machen, wie der grobe Plan, den wir vom Zentralplaner der Reederei bekommen, am besten auf unseren Anlagen funktioniert. Zum Beispiel legen wir ein Kranarbeitsprogramm fest, das die Software als Grundlage für die Bearbeitung der jeweiligen Schiffsabschnitte nutzt. Mit festen Kriterien wie Zielhafen, Containertyp oder Gewicht kann der Computer dann ausrechnen, in welcher Reihenfolge die Boxen idealer Weise geladen werden. Dazu zieht er sich auch die Belegung unserer Blocklager aus dem System.
Sie sprechen schon über die neue Software. Wie läuft das denn bisher?
Wir machen das per Hand, so ähnlich wie Tetris. In der richtigen Reihenfolge passende Container markieren und per „Drag and Drop“ in die richtige Bay ziehen. Das ist bei Standard-Containern oftmals eine stupide Arbeit, die mir der Computer gerne abnehmen kann.
Was kann der PC gar nicht?
Wenn ein paar Boxen übrig bleiben oder der Reeder Sonderwünsche hat, ist das Programm ratlos. Ebenso bei Störungen im Ablauf, da ist dann die schnelle menschliche Reaktionsfähigkeit gefragt.
Kann die Beladung eines großen Containerschiffs heute noch ohne den PC geplant werden?
Das kann kein größeres Terminal mehr. Es geht schneller, die Computer zu reparieren, als mit der Hand Pläne zu malen und Stapelgewichte zu berechnen. Bei 3.000 Bewegungen wäre unsere Abteilung vermutlich zwei Wochen beschäftigt, die Taschenrechner würden glühen. Das ist ein unrealistisches Szenario.
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