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„Prioritäten setzen, das ist mein Job“

6 / 24.03.2010

Wie Ingo Kunze, 41, Schichtleiter im Leitstand auf dem HHLA Container Terminal Altenwerder, für einen reibungslosen Ablauf auf der gesamten Anlage sorgt.

 

Wenn zu Spitzenzeiten Hunderte bunte Stahlboxen gleichzeitig auf dem Container Terminal Altenwerder (CTA) bewegt, gestapelt und abtransportiert werden, braucht Ingo Kunze viel Fingerspitzengefühl. Der 41-Jährige muss eingreifen, kontrollieren, entscheiden – obwohl der Containerumschlag auf dem modernsten Terminal der Welt fast voll automatisiert ist. „Ich muss Prioritäten setzen, wenn die Zeit drängt“, sagt Kunze. „Das können Computer nicht.“

Ingo Kunze ist Schichtleiter im Leitstand des CTA. Hier laufen alle Fäden zusammen, wie in einem Flughafentower. Kunze verantwortet als Schichtleiter den reibungslosen Ablauf auf der gesamten Anlage in seiner Schicht. Er plant die Liegeplätze der Schiffe an der Kaimauer, reagiert auf Störungen und behält die Arbeit seiner sechs bis acht Kollegen im Blick, die wiederum den Weg der Stahlboxen über das Terminal kontrollieren.

Der von der HHLA entwickelte Container Terminal Altenwerder gilt als herausragendes Beispiel für das optimierte Zusammenspiel von Mensch und Technik. Die Technik übernimmt einen großen Teil des Containerumschlags, Menschen greifen nur an wenigen Stellen ein, etwa die Containerbrückenfahrer beim Löschen und Laden am Schiff oder Fernsteuerer beim Verladen der Container auf den Lkw. „Alles muss minutengenau ineinandergreifen“, sagt Kunze.

Wenn die Zeit drängt, muss Kunze als Schichtleiter entscheiden. Entscheiden, wie viele Containerbrücken eingesetzt werden, um die Stahlboxen vom Schiff zu heben. Entscheiden, wie viele automatische Transportfahrzeuge, so genannte Automated Guided Vehicles (AGVs), die Container von den Brücken zu den Blocklagern bringen. Und Pläne ständig anpassen – etwa wenn sich ein Schiff verspätet und nicht termingerecht an der Kaimauer festmachen kann.

Ein Schichtleiter braucht ein Gefühl für die Containerschifffahrt. Acht Jahre ist der Diplom-Verkehrsingenieur mit Kapitänspatent zur See gefahren, kennt fast alle Häfen der Welt. „Manchmal habe ich meine Familie 6 bis 8 Monate nicht gesehen“, erinnert sich Kunze. Seit 2001 ist Kunze bei der HHLA, hat beim Aufbau des CTA die ersten Tests der automatischen Systeme begleitet. „Was die HHLA mit dem Aufbau von Altenwerder gemacht hat, gab es weltweit noch nicht.“ Entsprechend groß war die Herausforderung damals.

Kunze blickt über seine Computermonitore hinweg durch die Fenster des Leitstands zur Kaimauer. Die „Kuala Lumpur Express“ der Reederei Hapag-Lloyd hat am Vorabend um 20 Uhr angelegt. Gerade werden die letzten Boxen vom Schiff gehoben. Wenn Kunzes Schicht endet, ist ein Teil der Fracht des Containerriesen längst auf dem Weg ins europäische Hinterland.