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Gemeinsam erfolgreich

Mit der „Ever Vital“ fuhr 1979 erstmals ein Evergreen-Schiff den Burchardkai an. Innerhalb kürzester Zeit machte der Gründer Chang Yung-fa die taiwanesische Reederei sehr erfolgreich – auch weil er früh Hamburg und die HHLA als Europa-Drehscheibe erkannte.  

 

Chang Yung-fa ist immer wieder für eine Überraschung gut: In der letzten Dekade hatten zweistellige Steigerungsraten im Containerumschlag Großreeder weltweit dazu bewegt, in Schiffsneubauten zu investieren. Der Gründer der taiwanesischen Reederei Evergreen gab indes in seinem Unternehmen die Strategie aus, ausgerechnet in dieser Phase keine neuen Schiffe zu ordern. Die Lieferzeiten waren ihm zu lang, die Preise zu hoch. Einkaufen geht Dr. Chang lieber in Zeiten der Rezession: Kürzlich hat er in der Online-Ausgabe der indischen Zeitung „The Economic Times“ geäußert, den Bau von 100 Containerschiffen zu beabsichti- gen. Für seine Investitionen erwartet der Reeder eine Verringerung der Schiffsbaukosten von zurzeit 15.000 US-Dollar pro TEU auf 10.000 US-Dollar im Jahr 2011. Die Aufstockung der Flotte in der Krise soll Evergreen langfristig im globalen Wettstreit konkurrenzfähig halten. Wer das Werk des inzwischen 82-jährigen Reeders kennt, weiß, dass er meistens erreicht hat, was er sich vornimmt. Im Alter von 18 Jahren arbeitete Chang tagsüber in einer japanischen Reederei. Nachts studierte er Nautik und wurde später Kapitän. 1968 hob der Familienvater im Alter von 41 Jahren die „Evergreen Shipping Company“ in Taipeh in der Republik China auf Taiwan aus der Taufe. Dabei verfügte er bloß über ein einziges Frachtschiff, und das war aus zweiter Hand. Innerhalb von nur zwanzig Jahren machte er Evergreen zum damaligen Marktführer in der Containerschifffahrt.

 

Heute verfügt der Konzern über eine Flotte von mehr als 150 Containerschiffen und gehört zu den größten Unternehmen Taiwans. Die Hauptfarbe der Unternehmensidentität ist Grün. Evergreen-Schiffe tragen im Namen ein vorangestelltes „Ever“ (Ever Ready, Ever Charming u. a.), was dieser Marke im Vergleich zu den meist eher pragmatischen Brands der Branche eine poetische Nuance gibt – das Wort „evergreen“ (engl. „ewig grün“) bezeichnet ein trotz seines Alters immer wieder gespieltes und vom Publikum gern gehörtes Musikstück. Ginge es nach Dr. Chang, sollen seine Schiffe also bis in alle Ewigkeit Erfolge einfahren. „Der Erfolg des Containers in Hamburg und der HHLA ist eng verknüpft mit dem Aufstieg von Evergreen“, sagt Gerd Drossel, ehemaliger HHLAVorstand.

 

neue Ära mit „Weekly-round-the-world-service“

Chang hatte Hamburg sehr früh als Drehscheibe des europäischen Marktes erkannt: Im April 1979 wurde mit der „Ever Vital“ der Dienst zwischen Fernost und Europa eröffnet. Fünf Jahre später verband der „Weekly-round-the- world-service“ via Panama- und Suezkanal mit jeweils zwölf Schiffen in Ost- und Westrichtung Ostasien und die USA mit der Hansestadt – unter dem damaligen HHLA Vorstandsvorsitzenden Helmuth Kern markierte dieser Dienst den Beginn einer neuen Ära. Seit mehr als 30 Jahren fahren heute Evergreen- Schiffe in Hamburg den CTB an. Inzwischen unterhält die Reederei neben Niederlassungen in Bremen, Düsseldorf und Frankfurt am Main auch seine Deutschlandzentrale in Hamburg: Auf der Suche nach dem dafür richtigen Bürohaus reiste Chang im August 1986 persönlich an. „Während der Besichtungstour für unseren Chairman durch die City Süd hatten wir einen Stadtplan dabei, auf dem kleine Fähnchen gesteckt waren, die kenntlich machten, ob ein Gebäude zu mieten oder zu kaufen war“, erinnert sich der heute 54-jährige „Deputy Senior Vice President“ Jörn Prahl.

Er war seit 1977 bei Continental Seeways beschäftigt, die später in Evergreen aufging. 1989 wurde dann das Evergreen Building in der Amsinckstraße eröffnet. Heute arbeiten hier 120 Mitarbeiter, die sich dem Motto des Unternehmens („Innovation, Teamwork, Herausforderung“) verbunden fühlen: Jeder sei immer wieder an Lösungen für die Anforderungen des Marktes interessiert. Probleme würden stets offen diskutiert, sagt Prahl. Zu den Grundsätzen von Evergreen habe zwar immer gehört, unabhängig zu sein und keinen Konferenzen beizutreten. Kooperationen aber ist man auch jüngst wieder eingegangen: Im Mai 2009 hat Evergreen ein Slot–Charter- Agreement mit China Shipping Container Lines geschlossen.