Arbeit und technische Anlagen im Hafen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Diesen Wandel haben wir für Sie in Damals/Heute-Bildern festgehalten.
Geschichte der Speicherstadt
1871: Das Deutsche Reich wurde gegründet und Wilhelm I. zum deutschen Kaiser gekrönt. Die freie Reichstadt Hamburg hatte sich bis dahin erfolgreich gegen einen Anschluss an den Deutschen Zollverein gewehrt und so seine Unabhängigkeit wie auch seinen Status als Freihandelsplatz behauptet.
1878: Reichskanzler Otto von Bismarck forderte die Einführung von Importzöllen. Hamburg sollte als größtes deutsches Einfuhrzentrum dem Zollverein beitreten.
25. Mai 1881: Nach längerem Streit mit dem Reichskanzler kam ein Kompromiss zwischen Hamburg und Preußen zustande. Der Vertrag über den Zollanschluss Hamburgs an das Deutsche Reich wurde unterzeichnet, doch Hamburg behielt die Zollverwaltung und das Recht, ein verkleinertes Freihafengebiet festzulegen. In dieser Enklave sollte weiterhin das angestammte Privileg der Hamburger Kaufleute gelten, Importgüter zollfrei zu lagern und zu veredeln.
1883: Das Gebiet südlich der Innen- und Geschäftstadt, die Kehrwieder- und Wandrahminsel, wurden für den Bau einer Speicherstadt ausgewählt. Für den Bau der Speicherblöcke wurde in Teilabschnitten ab 1883 das Kehrwieder- und Wandrahmviertel mit etwa 1.000 Häusern und über 20.000 Einwohnern geräumt beziehungsweise abgerissen. Die Stadt siedelte die Betroffenen meist ohne Entschädigung aus, das Schaffen von neuem Wohnraum wurde dem freien Markt überlassen.
1885: Gründung der HFLG (Hamburger Freihafen-Lagerhaus Gesellschaft) zum Bau sowie zur neutralen und transparenten Vermietung der Speicher unter einheitlicher Leitung.
1888: Der Beitritt Hamburgs zum Deutschen Zollverein und die Eröffnung des neuen Freihafens hatten tiefgreifende Auswirkungen auf Hamburgs Wirtschaft und Gesellschaft. Bis zum Zollanschluss 1888 mussten auf dem Freihafengelände ausreichend Räumlichkeiten für die Lagerung und Bearbeitung der Waren geschaffen werden, die vorher über das gesamte Stadtgebiet verteilt waren.
1885-1927: Zwischen 1885 und 1927 wurde die Speicherstadt in drei Bauabschnitten errichtet. Bis 1889 entstanden zwischen Kehrwiederspitze und Kannengießerort etwa 60 Prozent der Lagerflächen (Blöcke A bis O). Im zweiten Bauabschnitt von 1891 bis 1897 wurden die Speicherblöcke P, Q und R am St. Annenufer und Neuer Wandrahm errichtet. Im dritten Bauabschnitt von 1899 bis 1927, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg und die Inflationsjahre, wurde das Gebiet östlich der Straße Bei St. Annen fertig gestellt (Blöcke S bis X). Das "Rathaus" der Speicherstadt, das Verwaltungsgebäude der HHLA, wurde 1903 eingeweiht. Es war auch geplant, ab 1905 einen vierten Bauabschnitt auf der Ericusspitze (Blöcke Y und Z) zu errichten, was aber nie verwirklicht wurde.
1904: Das neue Verwaltungsgebäude der HFLG wurde zwischen 1902 und 1904 nach Entwürfen von Johannes Grotjan und der Firma Hanßen & Meerwein erbaut. Die Architekten wirkten auch maßgeblich am Hamburger Rathaus mit, was dem Gebäude Bei St. Annen eine erkennbare Ähnlichkeit und den Beinamen "Rathaus der Speicherstadt" eintrug. Die Fassade wird dominiert von Zitaten aus der Gotik und der niederländischen Renaissance, ergänzt durch zahlreiche Schmuckelemente und einen Uhrenturm. Das Verwaltungsgebäude wurde auf 463 Eichenpfählen gegründet.
1927: 24 Speicherblöcke mit rund 300.000 Quadratmeter Lagerfläche waren entstanden, Brückentore markierten die Freihafengrenze und machten das Bild einer "Stadt aus Speichern" augenfällig. Die Funktion der Speicher bestand im zollfreien Lagern von Waren, die sowohl über die Straße als auch über die Fleete transportiert wurden. Auch Bahngleise führten durch das Quartier zum angrenzenden Sandtorhafen. Die Waren wurden anfänglich von den Frachtschiffen auf so genannte Schuten umgeladen und zu den Speichern gebracht. Von den Schuten gelangten sie über Winden auf die Speicherböden und wurden dort eingelagert. Über die Luken an der Straße setzte man die Ware auf Fuhrwerke oder die Eisenbahn, später auf LKWs. Auf den Speicherböden lagerten überwiegend Kolonialwaren wie Tee, Kaffee und Gewürzen, die dort auch veredelt und umgepackt wurden. Neben dem Lagerraum gab es Büroflächen, die Kontore der Lager- und Handelsfirmen. Sie befanden sich meist in den unteren Geschossen, in den Kopfgebäuden und in den Blöcken H und O. Mit dem Bau der Speicherstadt wurden die Warenlagerung und die Arbeit im Kontor vom Wohnen getrennt.
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