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Was war ... die Kettenschifffahrt?

Ein Meilenstein in der Entwicklung der Binnenschifffahrt: In der zweiten Hälfte des 19. und der ersten des 20. Jahrhunderts zogen sich Dampfschiffe an im Fluss verankerten Ketten die Elbe stromaufwärts, um den massiv wachsenden Güterverkehr zu bewältigen.

 

Die Reise in die Vergangenheit der Elbschifffahrt beginnt im Herzen der Unterstadt von Lauenburg, dem idyllischen, fast 800 Jahre alten Städtchen an der Elbe bei Geesthacht. Still residiert hier inmitten der uralten Gemäuer ein Museum, auf das von der Straße ein kleines Schild aufmerksam macht: „Elbschiffahrtsmuseum" steht da stur mit zwei F und nicht mit drei geschrieben, als würde die neue Rechtschreibung nicht für ein Museum gelten, das längst vergangene Phänomene der Industrialisierung wie die Kettenschifffahrt zum Thema hat.

 

Ursprünglich war die Kettenschifffahrt vor allem an der Seine in Frankreich und an der Elbe in Deutschland verbreitet: Mit dem umfassenden Ausbau des Eisenbahnnetzes war die Elbschifffahrt um die Mitte des 19. Jahrhunderts in eine Krise geraten. Der Massengutverkehr nahm mit fortschreitender Industrialisierung drastisch zu, während zur gleichen Zeit die Elbe an Wettbewerbsfähigkeit verlor.

 

Grundlegende Dinge mussten daher verändert werden, um die Elbe als Transportweg attraktiv zu halten: Der Elbzoll etwa musste gesenkt werden, weil er 1844 bei einem Transport von Hamburg nach Sachsen mehr als die Hälfte der Gesamtkosten ausmachte. Das vergleichsweise langsame Segeln und Treideln wurde durch maschinelle Fortbewegungsarten wie die Kettenschifffahrt ersetzt, da Kettendampfer größere Lasten bewegen konnten, schneller fuhren und kostengünstig waren. Dabei zogen Dampfschiffe an im Fluss verankerten Ketten die Flüsse stromaufwärts. Die Kette wurde von einer Dampfmaschine mittels Zahntrommeln durch das Schiff gezogen, wobei die Kette aus dem Wasser gehoben wurde, über das Deck des Dampfers lief und hinten im Strom wieder versank.

 

1871 fuhren auf einer Länge von 668 Kilometern bis zu 28 Kettenschlepper die Elbe stromaufwärts. Auf der Oberelbe betrug die mittlere Fahrgeschwindigkeit der Kettendampfer zu Berg 1,4 Meter pro Sekunde oder 5 Kilometer in einer Stunde. Die Kettenschlepper beförderten die Lastschiffe von Magdeburg nach Dresden in 72 Stunden, während Raddampfer dazu 120 Stunden benötigten. Zum Verhängnis dieser Schifffahrt wurde mit den Jahren allerdings die Kette selbst: Schon 1874 musste ein Teil der erst 1871 in Betrieb genommenen Strecke Magdeburg-Schmilka erneuert werden, weil die Kette sich um 7.500 Meter gedehnt hatte. Auf dem 330 Kilometer langen Abschnitt waren zudem von der ursprünglichen Kette nur noch 12 Kilometer vorhanden. Unzählige Kettenbrüche ereigneten sich, weil die Schweißung nicht stabil genug war.

 

Weil die überalterten Schiffe nach und nach abgewrackt wurden, ist heute kein einziges mehr erhalten. Ein 4,7 Meter langes Originalstück der insgesamt 745 Kilometer langen Kette, Zeichnungen verschiedener Kettenschlepper und eine Bilddokumentation zeigen diese heute kaum noch vorstellbare Art der Schifffahrt im „Elbschiffahrtsmuseum".