LEBEN IM QUARTIER
Mit Gespür fürs Detail hat die HHLA aus den ehemaligen Zollhäusern in der Speicherstadt hochwertige Gewerbeflächen geschaffen. Die Entwicklung zu einem modernen Arbeitsquartier im historischen Umfeld schreitet damit weiter voran.
Früher stauten sich hier die Lastwagen vor den Abfertigungsschranken, Schuten und Binnenschiffe machten an schwimmenden Pontons im Zollkanal fest, damit Zöllner die Ausfuhr von Waren aus dem Freihafen kontrollieren konnten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten die vier Backsteingebäude zwischen dem Zollkanal und dem Alten Wandrahm in der Speicherstadt das ehemalige Hauptzollamt St. Annen.
Sanierung der Zollhäuser
Heute gehören die Zollhäuser 3 und 4 zu Hamburgs Top-Büro-und -Eventflächen. Die beiden Gebäude sind seit ihrer Sanierung begehrt, obwohl der Büromarkt in der Hansestadt in der Krise steckt. Nach Angaben der Immobilienexperten von Jones Lang LaSalle brach der Büroflächenumsatz in Hamburg in den ersten neun Monaten um rund ein Drittel ein. Die HHLA treibt mit dem Umbau der Zollgebäude den Strukturwandel in der Speicherstadt voran. Kreative Nutzungen der ehemaligen Lagerhäuser und Verwaltungsgebäude bringen Leben ins Quartier und machen die Speicherstadt zu einem Bindeglied zwischen Innenstadt und HafenCity.
Bereits Anfang des Jahres beendeten die Immobilienspezialisten der HHLA die Sanierung des Zollhauses 3. Der Veranstaltungsausrichter Nordevent sicherte sich frühzeitig die Gesamtfläche von rund 1.600 Quadratmetern und bietet die Räumlichkeiten heute für Tagungen und Workshops, Hochzeiten, Firmenfeiem oder Jubiläumsveranstaltungen an. „Sanierte Flächen in der Speicherstadt sind begehrt", sagt Martina Maiworm von Nordevent. Der Grund: das Zusammenspiel von modernen Büros in einem historischen Umfeld und der Bezug zum Hafen sowie zur Innenstadt.
Die HHLA legt bei der Umgestaltung der Speicherböden großen Wert auf die behutsame Weiterentwicklung des Areals. So finden in der Speicherstadt neben Künstlern, internationalen Modeunternehmen oder Gastronomen nach wie vor traditionelle Teppichhändler ein Arbeitsquartier. Bis 2003 gehörte die Speicherstadt wie der gesamte Hafen in die Freihandelszone. Rein rechtlich gesehen, befanden sich damit alle Waren im Zollausland, die frei eingeführt, gelagert und wieder exportiert werden konnten. Der Bau der Speicherstadt vor 120 Jahren und die damit geschaffene Freihandelszone waren ein wesentlicher Baustein für Hamburgs Aufstieg zu einer führenden Hafenstadt. Erst 2003 wurde die Speicherstadt aus der Freihafenzone genommen. Mit dem Bau der HafenCity hat sich Hamburgs Mitte dann endgültig in Richtung Speicherstadt verschoben.
Die HHLA hat diesen Trend früh erkannt. Bereits 2007 unterschrieb der Konzern einen Langzeitmietvertrag für die äußerst sanierungsbedürftigen Zollgebäude 3 und 4. Eigentümerin der Gebäude blieb die Hansestadt Hamburg. Bei der Übernahme war die Grundfläche der Zollhäuser durch viele Einzelbüros zerschnitten. „Diese Aufteilung war in früheren Verwaltungsgebäuden üblich. Das ist heute aber nicht mehr gewünscht", begründet Projektleiter und HHLA Architekt Peter Modlich die offene Raumplanung. Die Nachfrage bestätigt ihn. Im November 2009 bezogen die ersten Mieter mit dem letzten Pinselstrich das Zollhaus 4. Das gesamte Erdgeschoss des Zollhauses 4 hat die Kommunikationsagentur Cross Media gemietet. „Bei einer Veranstaltung in Zollhaus 3 bin ich auf unser jetziges Büro aufmerksam geworden. Damals war das Zollhaus 4 noch eine Baustelle. Aber ich wusste sofort, dass das ein Schmuckstück wird", sagt Georg Tiemann, Standortleiter der Agentur, die ihren Sitz zuvor in der Mönckebergstraße hatte. „Wir sind von der alten Mitte in die neue Mitte der Stadt gezogen. Hier fühlen wir uns als Kreativagentur einfach besser aufgehoben." Die Mieten in den ehemaligen Zollhäusern orientieren sich an den in der Speicherstadt üblichen 13 bis 17 Euro pro Quadratmeter für hochwertig sanierte Gebäude. Zum Vergleich: Die Durchschnittsmiete in Hamburg liegt bei 13,40 Euro, Spitzenmieten bei bis zu 24 Euro. Wie die Speicherstadt stehen auch die Zollhäuser unter dem Schutz der Denkmalpflege. So darf die Ästhetik der Backsteinfassaden nicht verändert werden. „Gerade durch die Orientierung an historischen Ursprüngen entsteht in Kombination mit modernen Elementen ein fantastischer Mix", sagt der 37-jährige Peter Modlich. Für die aufwendigen Innenarbeiten beauftragte die HHLA einen Restaurator, um denkmalgeschützte Stilelemente aus dem letzten Jahrhundert wieder zu vervollständigen. Dazu gehört unter anderem der Fliesenspiegel in den Rundbögen im Zollhaus 4. Fehlende Kacheln hat der Restaurator mit ähnlichen Materialien originalgetreu nachgearbeitet. In den Treppenaufgängen der Gebäude legte der Fachmann die ursprüngliche Wandgestaltung frei. Projektleiter Modlich ließ zudem die Teppiche und Linoleumböden gegen Eichenparkett austauschen, Fenster wechseln, die Heizungs- und Sanitäranlagen erneuern und aus dunklen Kellern moderne Tiefgaragen bauen.
Doch bei der Sanierung solch alter Gebäude gibt es oftmals böse Überraschungen. „Schimmelpilze hatten fast den gesamten Dachstuhl im Zollhaus 3 zerstört", erinnert sich Architekt Modlich. „Die ursprüngliche Deckenkonstruktion musste bis auf wenige Balken "ertüchtigt' und durch Stahlträger ersetzt werden."
Seit Oktober 2009 hat die HHLA auch das Zollhaus 2 gemietet. Bisher gibt es dazu noch keine Entwurfsplanung, aber bereits mehrere Nutzungsanfragen von Interessenten. In ein bis zwei Jahren können dort die ersten Mieter einziehen. Der Mix aus kulturellen Einrichtungen, Büroflächen, Gastronomie und kreativer Nutzung bringt immer mehr Leben in das traditionsreiche Quartier. Daraus entsteht eine einzigartige Mischung aus Tradition und modernen Facetten, die auch die zukünftigen Mieter des Zollhauses 2 begeistern dürfte.
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