Arbeit und technische Anlagen im Hafen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Diesen Wandel haben wir für Sie in Damals/Heute-Bildern festgehalten.
DIE PIONIERE UNTER DEN VAN-CARRIERN
Die HHLA hat einen der weltweit ältesten noch funktionsfähigen „Portalhubwagen“ instand gesetzt und dem Hamburger Hafenmuseum übergeben. Die weltweit modernsten Van-Carrier absolvieren gerade ihren Probetrieb auf dem HHLA Container Terminal Tollerort.
ERSTE STAHLKISTEN AUS ÜBERSEE
1968 kamen immer mehr von diesen Stahlkisten aus Übersee. Mit solchen Containermengen hatte keiner gerechnet. Zwar waren bereits 1967 erste Containerbrücken Hamburgs am Burchardkai aufgebaut worden. Schiffe aber, die im alten Hafen festmachten, waren nicht ausgerüstet für das, was sie erwartete. „Dort haben wir dann die ersten Container mit Kränen von Deck gehoben”, erinnert sich Siegfried Fenger. Der gelernte Maschinenschlosser ist inzwischen 65 Jahre alt und pensioniert. Fenger und seine Kollegen in der Hauptwerkstatt in der damaligen Amerikastrasse mussten sich bald etwas einfallen lassen, um die vielen Boxen effektiv und schnell von der Kaikante abzutransportieren.
UMSCHLAG RASANT BESCHLEUNIGT
Sie machten den Portalstapler pph 26 des Herstellers Peiner ausfindig, der einen technologischen Quantensprung im Containerumschlag bewirkte. Dieser Portalhubwagen bestand aus einem Rahmengestell und einer dazwischen hängenden Hubvorrichtung (Topspreader), die mit Hubwinden vertikal bewegt werden konnte. Das Rahmengestell war mit einem Fahrwerk mit acht Rädern ausgestattet, die Fahrerkabine oben an seiner Stirnseite des Rahmens montiert. Der Wagen fuhr über einen Container, der auf dem Boden oder auf einem Lkw stand, der Spreader verriegelte sich hydraulisch gesteuert mit den vier Eckbeschlägen des Containers und hob diesen an. Als so genannter Van-Carrier, Typ VC 26, wurde der erste seiner Art 1971 gebaut, ein Jahr später an die HHLA ausgeliefert und im Laufe der Zeit stetig weiterentwickelt.
REVOLUTIONÄRE ARBEITSERLEICHTERUNG
„Er konnte bereits damals zwei Container hoch greifen”, erinnert sich Siegfried Fenger, was die Frequenz des Umschlags um ein Vielfaches beschleunigte. Dabei hatte der VC 26 ein Eigengewicht von 38 Tonnen und gleichzeitig eine Nutzlast von 30 Tonnen (40-Fuß-Container). Die Dauerleistung des drehzahlgeregelten Dieselmotors lag bei 200 Pferdestärken. Die Maschine konnte so bei einer Last von 20 Tonnen bis auf 40 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Inzwischen sind die Van-Carrier deutlich weiterentwickelt worden. Nicht nur das Material ist wegen der erhöhten Beanspruchung der Geräte im Dreischichtdienst wesentlich beständiger. Die neue Generation kann Container „vier hoch”, also in vier Lagen übereinander stapeln, und läuft bis zu 50.000 Betriebsstunden. Auch die computerunterstützten Cockpits der modernen Van-Carriers erleichtern die Arbeit der HHLA-Kollegen immens. „Aber damals war der VC26 eine revolutionäre Arbeitserleichterung für uns”, sagt Siegfried Fenger.
NACH 37.030 BETRIEBSSTUNDEN AUSGEDIENT
Am 5. Juni 1991 hatte der erste VC 26 der HHLA ausgedient, nach 37.030 Betriebsstunden. Eine Gruppe von VC-Fahrern setzte sich damals für den Erhalt des Fahrzeugs ein, das am 29. August 2008 feierlich dem „Hafenmuseum” übergeben wurde: Um 10.40 Uhr hob der Schwimmkran HHLA II den historischen Van-Carrier über die Kaimauer am Hansahöft. Von dort fuhr der Peiner Portalhubwagen zu seinem Stellplatz im Museum. „Die Technik dieses VC 26 gleicht im Grundsatz seinen heutigen Nachfolgemodellen. Allerdings sind die modernen Geräte deutlich leistungsfähiger, effizienter und nachhaltiger“, sagte Dr. Stefan Behn, Vorstandsmitglied der HHLA, bei der Übergabe des Portalstaplers.
ZUKUNFTSWEISEND und Ökologisch
Inzwischen wiegen moderne Van-Carrier bis zu 70 Tonnen und bewältigen eine Hublast von bis zu 50 Tonnen. Sie sind zum Teil mit dieselelektrischen Antrieben ausgestattet, die fast 20 % Energie sparen, haben eine Motorleistung von 336 KW und eine Lebenserwartung von bis zu 50.000 Betriebsstunden. Sie stapeln Container in bis zu vier Lagen, was die Flächenproduktivität weiterhin erheblich gesteigert und einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung geleistet hat. Ein Pionier beim Einsatz energiesparender VC ist dabei der HHLA Container Terminal Tollerort (CTT) - dort wurden die ersten diesel-elektrisch betriebenen Geräte in Deutschland getestet, die heute einen Großteil der Flotte auf den Hamburger Containerterminals ausmachen. Die Geräte des Herstellers Noell emittieren nur rund 380 Kilogramm Kohlendioxyd pro Schicht, während die älteren, konventionellen VC etwa 550 Kilogramm CO2 ausstoßen. Weil die VC zu den größten Emittenten im Konzern gehören, konnte allein durch den Einsatz dieselelektrischer Geräte der jährliche Ausstoß von CO2 um ca. 6.500 t verringert werden.
Enge Zusammenarbeit mit Herstellern
Die zahlreichen technische Neuerungen, die unter anderem in den VC des Weltmarktführers Noell zu finden sind, wurden gemeinsam mit der HHLA entwickelt. Neuestes Beispiel ist der NSC 644 ECO mit ECO-Cap-Technik. Er hatte seine Weltpremiere am 4. November auf dem CTT. Er fährt und hebt mit einem Hybridantrieb, der deutlich weniger Diesel verbraucht und damit die CO2-Emissionen um fast 25.000 Kilogramm pro Jahr verringert, indem er die Energien aus den Bremsvorgängen nutzt. Der NSC 644 ECO speist dabei nicht bloß in das Antriebssystem zurück und nutzen wie ein Dynamo am Fahrrad. Völlig neu dabei ist seine ECO-Cap Technologie, die Bremsenergie aufnimmt und kurzzeitig speichert. 200 Doppelschichtkondensatoren können den nachfolgenden Energiebedarf decken, bevor der dieselelektrische Generator wieder auf volle Leistung hochfährt.
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